Vor Beginn der Winterferien wurde mir nämlich geraten, ich solle doch meine Abreise etwas vorverlegen, über Weihnachten sei sowieso nichts los – das stimmte auch. Die Flüge, so wurde mir von jemandem anderen ebenfalls geraten, sollte ich auch entsprechend an Tagen buchen, an denen die ganzen Leute von den Weihnachtsfeierlichkeiten ermattet zuhause verbringen und nicht an den Reisetagen davor – machte auch irgendwie Sinn.
Mitten in der Nacht fuhr ich also los, mit meinem gesamten Gepäck im Schlepptau um die Weihnachtstage in der instagrambarsten Stadt Chiles zu verbringen: Vaplaraíso. Das stand sowieso schon lange auf meiner Liste.
Nach einer kleinen Stärkung und Ankunft im Hostel (eigentlich in Viña aber pssst) machte ich mich also auf den Weg zur „free walking tour“, mit der ich schon in Santiago gute Erfahrungen gemacht habe. Start war am Hafen und unser „Wally“ erzählte uns einige interessante und auch lustige Geschichten, zB. über den chilenischen Seehelden Arturo Prat, dessen heldenhafte Leistung darin bestand, die einzige Chilenische -und eigentlich zu Übungszwecken verwendete – Korvette „Esmeralda“ während eines Sturms im Hafen von Valparaíso zu retten um dann später auf derselben bei einer verlorenen Schlacht zu ertrinken – wie gesagt, Chilenos lieben ihre ironie. Seine Statue steht noch heute in fast allen Städten Chiles.
Oder aber der Fakt, dass die „markanten“ Glaswürfel -siehe Bild- am Platz zwar grässlich aussehen, aber leider mitsamt dem Rest der Stadt unter Denkmalschutz gestellt wurden, sodass selbst wenn ein Erdbeben sie gnädigerweise niederreißen würde, die Gebäude wieder originalgetreu hergestellt werden müssten. Kann man nichts machen. Ach ja, die Stadt steht übrigens teilweise unter Denkmalschutz -gut für den Tourismus jedenfalls. Ein Grund dafür sind wohl die markanten vielfarbigen Häuser auf den Hügeln, die der ganzen Stadt einen einzigartigen Flair geben. Ursprünglich kam die Farbe von den übriggebliebenen Farben der Schiffe, die die Hausbesitzer verwendeten um die Wände gegen den Einfluss von Salz und Wasser zu schützen.
Dorthin ging es vom Hafen aus auch mithilfe der berühmten „ascensores„, also Lifte bzw. Zahnradbahnen, die die untere Stadt mit den Hügeln verbinden. Auf diesen Hügeln soll es übrigens nachts auch nicht ganz ungefährlich sein…
Bei der Führung wurden uns jedenfalls einige bekannte Villen gezeigt, wie die hier mit dem Karomuster weil sie mal ein Kroate gekauft hat. Valparaíso ist übrigens ein irrsinnig beliebter Ort um in Chile das Neujahrsfest zu verbringen – fast ganz Santiago fährt die 1.5 Stunden ans Meer um sich das berühmte Feuerwerk über dem Hafen anzusehen und auf den vielen Plätzen zu Musik zu tanzen und zu feiern. Außerdem bekannt: es gibt Graffiti (fast) überall! Das ist auch der Grund, weswegen es die instagrambarste Stadt Chiles genannt wird:
Dabei wurde uns auch von den Schwierigkeiten erzählt, die mit einem so verwinkelten Gassensystem kommen: es gibt mehrere freiwillige Feuerwehren, die teilweise zu Fuß unterwegs sein müssen, da mit Autos kein Hochkommen zu den schwer erreichbaren Häusern gibt. Dasselbe gilt für neue Bauvorhaben. Und ja, während der Führung machten einige Leute kleine Abstecher zu den bekannten bunten Treppen mit Songtexten oder Klaviertastenmotiven.
Nach der Führung gab es noch eine Kostprobe von lokalem Fusel und eine Muschelsuppe. Dazu muss gesagt werden, dass Valparaíso nur die eine Hälfte der Medaillie der Hafenstadt von Santiago ist. Die andere Hälfte würde am nächsten Tag auf mich warten: Viña del Mar (der Weinberg am Meer). Wenn Valparaíso die Stadt des Arbeiters und kleinen Mannes ist, dann ist Viña das Reichenviertel. Später dazu mehr.














