Urlaubsbeginn

Vor Beginn der Winterferien wurde mir nämlich geraten, ich solle doch meine Abreise etwas vorverlegen, über Weihnachten sei sowieso nichts los – das stimmte auch. Die Flüge, so wurde mir von jemandem anderen ebenfalls geraten, sollte ich auch entsprechend an Tagen buchen, an denen die ganzen Leute von den Weihnachtsfeierlichkeiten ermattet zuhause verbringen und nicht an den Reisetagen davor – machte auch irgendwie Sinn.

Mitten in der Nacht fuhr ich also los, mit meinem gesamten Gepäck im Schlepptau um die Weihnachtstage in der instagrambarsten Stadt Chiles zu verbringen: Vaplaraíso. Das stand sowieso schon lange auf meiner Liste.

Nach einer kleinen Stärkung und Ankunft im Hostel (eigentlich in Viña aber pssst) machte ich mich also auf den Weg zur „free walking tour“, mit der ich schon in Santiago gute Erfahrungen gemacht habe. Start war am Hafen und unser „Wally“ erzählte uns einige interessante und auch lustige Geschichten, zB. über den chilenischen Seehelden Arturo Prat, dessen heldenhafte Leistung darin bestand, die einzige Chilenische -und eigentlich zu Übungszwecken verwendete – Korvette „Esmeralda“ während eines Sturms im Hafen von Valparaíso zu retten um dann später auf derselben bei einer verlorenen Schlacht zu ertrinken – wie gesagt, Chilenos lieben ihre ironie. Seine Statue steht noch heute in fast allen Städten Chiles.

Oder aber der Fakt, dass die „markanten“ Glaswürfel -siehe Bild- am Platz zwar grässlich aussehen, aber leider mitsamt dem Rest der Stadt unter Denkmalschutz gestellt wurden, sodass selbst wenn ein Erdbeben sie gnädigerweise niederreißen würde, die Gebäude wieder originalgetreu hergestellt werden müssten. Kann man nichts machen. Ach ja, die Stadt steht übrigens teilweise unter Denkmalschutz -gut für den Tourismus jedenfalls. Ein Grund dafür sind wohl die markanten vielfarbigen Häuser auf den Hügeln, die der ganzen Stadt einen einzigartigen Flair geben. Ursprünglich kam die Farbe von den übriggebliebenen Farben der Schiffe, die die Hausbesitzer verwendeten um die Wände gegen den Einfluss von Salz und Wasser zu schützen.

Dorthin ging es vom Hafen aus auch mithilfe der berühmten „ascensores„, also Lifte bzw. Zahnradbahnen, die die untere Stadt mit den Hügeln verbinden. Auf diesen Hügeln soll es übrigens nachts auch nicht ganz ungefährlich sein…

Bei der Führung wurden uns jedenfalls einige bekannte Villen gezeigt, wie die hier mit dem Karomuster weil sie mal ein Kroate gekauft hat. Valparaíso ist übrigens ein irrsinnig beliebter Ort um in Chile das Neujahrsfest zu verbringen – fast ganz Santiago fährt die 1.5 Stunden ans Meer um sich das berühmte Feuerwerk über dem Hafen anzusehen und auf den vielen Plätzen zu Musik zu tanzen und zu feiern. Außerdem bekannt: es gibt Graffiti (fast) überall! Das ist auch der Grund, weswegen es die instagrambarste Stadt Chiles genannt wird:

Dabei wurde uns auch von den Schwierigkeiten erzählt, die mit einem so verwinkelten Gassensystem kommen: es gibt mehrere freiwillige Feuerwehren, die teilweise zu Fuß unterwegs sein müssen, da mit Autos kein Hochkommen zu den schwer erreichbaren Häusern gibt. Dasselbe gilt für neue Bauvorhaben. Und ja, während der Führung machten einige Leute kleine Abstecher zu den bekannten bunten Treppen mit Songtexten oder Klaviertastenmotiven.

Nach der Führung gab es noch eine Kostprobe von lokalem Fusel und eine Muschelsuppe. Dazu muss gesagt werden, dass Valparaíso nur die eine Hälfte der Medaillie der Hafenstadt von Santiago ist. Die andere Hälfte würde am nächsten Tag auf mich warten: Viña del Mar (der Weinberg am Meer). Wenn Valparaíso die Stadt des Arbeiters und kleinen Mannes ist, dann ist Viña das Reichenviertel. Später dazu mehr.

Letzte Tage in Temuco

Nun neigte sich mein Semester leider schon dem Ende zu und die Vorlesungen begannen an wichtigkeit zu verlieren – Weihnachtsfeiern und ähnliche Festivitäten zum Semesterabschluss waren nun plötzlich auch wichtig für viele Leute! Auf unserem Institut gab es ein kleines Weihnachtssnackbuffet, mit deutschen Lebkuchen, chilenischer Schokolade, japanischen Süssigkeiten und italienischer Panettone, die hier als Weihnachtsessen sehr beliebt ist.

Auch die Studenten entspannten sich in Kleingrüppchen auf der hauseigenen Wiese, während ein Sammelsurium verschiedener Bands ihre Vorstellungen abhielt. Das ist allerdings gar nicht so ungefährlich – zumindest ohne Sonnenschutz kann man sich hier leicht einen Sonnenbrand holen, vor allem, wenn das Wetter besser ist. Das Ozonloch über Chile trägt dazu bei, dass die Sonnenstrahlung hier ungewöhnlich hoch ist.

Eines Nachmittags wurde die gemütliche Stille von einem Heidenlärm unterbrochen: der stellte sich bald als Dudelsackspielender Professor (Julio, ein sehr witziger und netter Mensch) dar, der sich zur Entspannung eine kleine Runde mit Dudelsackmusik durch das Gebäude genehmigte. Auch im Bild: die Aussicht von unserem „Aussichtspunkt“ auf die Wiese der Uni. Danach gab es noch offiziele Schlussfeiern, mit Tanz und Musik. Es wurden noch letzte Fotos von Heimweg und Institutsschild gemacht, bevor es bald zu den Seen ging – ein Kollege (Alejandro) hatte mich noch auf einen Semesterausklang zur Hütte am See eingeladen (dieses Mal allerdings eine Andere als die in vorherigen Updates)

Dies sollte nämlich in Caburga stattfinden – ein Wochenendhäuschen, schöne Seen (aber noch kalt!) und Asado – was könnte chilenischer sein?

Die Strände waren noch (fast) menschenleer und das Wetter wunderbar – endlich war also der Sommer gekommen, und es war Zeit geworden, abzureisen. Auf dem Rückweg nahmen wir noch den See Villarica mit, und die Kollegen schenkten mir zum Abschied noch eine Flagge mit allen Unterschriften und Glückwünschen 🙂

Dann war der Aufbruchsmoment gekommen – ich hatte noch drei Wochen Südamerika vor mir. Erster Stopp: Valparaíso.

Wieder mal nach Santiago

Als erstes noch ein paar Eindrücke von der Uni: Unter anderem die „casa de humanidades“, oder SoWi-Haus (SoWi=Sozialwissenschaften) und den „Pavillion Z“, der nicht offizieller Teil der Uni ist, sondern die inoffizielle Bezeichnung für den Hang ist, an dem die Studenten ihre wohlverdiente Pause machen und sich gemeinsam zum Weintrinken treffen (denn Alkohol in der Öffentlichkeit ist in Chile verboten).

Außerdem: ein Boulder-Haus, das „el Bloke“ heißt und innen sehr cool ist: Eintritt für einen Tag: ca. 4€.

Jetzt zum „eigentlichen“ Thema des Beitrags: In Santiago fand dieses Jahr eine Sommerschule zum Thema „Artificial Intelligence“ statt, und ratet mal, wer da hindurfte: Ich :D. Zusammen mit theoretisch fünf weiteren Studenten anderer Studienrichtungen und drei Kollegen vom Mathestudium planten wir also useren Aufenthalt: zwei Mathematiker fielen gleich weg, weil die sich bei einem Bruder einmieteten, die fünf anderen wurden im Laufe der Planung (bis auf einen) ebenfalls immer leiser und am Ende mieteten ich und ein Kollege uns zu ürsprünglich dritt in der Nähe der Uni eine Wohnung. Kurios: ein Kollege zahlte zwar, meinte dann am Tag der Abfahrt aber er hätte keine Lust mehr  – mehr Platz für uns beide also!

Das Ganze lief drei Tage lang, wir kamen in der Früh des ersten Tages an, gingen zur Uni und bezogen am Abend die Wohnung – viel stress, aber es gab ja Gratiskaffee ;).

Übrigens gab es von unserer Wohnung aus einen wunderschönen Blick auf die untergehende Sonne :). Am nächsten Tag gab es etwas Erheiterung, denn der Name des Vortragenden aus Harvard war Protopapas (papas auf Chilenisch heißt soviel wie Kartoffeln). Der machte das aber sehr gut und humorvoll, sodass sogar einiges hängenblieb.

In der Mittagspause beschlossen wir, diesmal nicht in der Uni zu essen, sondern ein kleines gutbewertetes (im Internet) Lokal aufzusuchen. Italienisch sollte es sein und recht nahe liegen. Das tat es dann auch, nur leider hinter einem riesigen Zaun. Es lag nämlich eigentlich in nahegelegenen Künstlerviertel und der Eingan zu diesem war dann doch noch zwei Ecken weiter als erwartet… dafür war das Essen etwas zuwenig, naja, so weit weg von Italien kann man ja nicht alles haben. Danach hab ich die Kollegen noch beschwatzt und wir schauten einen Sprung ins Museum moderner Kunst – siehe oben. (war überraschend leer – so wie einige andere Museen auch…)

Abgeschlossen wurde das ganze mit weiteren Talks und am Abend: einem Blick über Santiago. Am Abend des letzten Tages fiel uns auch auf, wo die Studenten offenbar am liebsten den Feierabend verbringen: auf den Grasflächen der Uni. Mein Mitreisender Kollege war von der gesamten Stimmung derart begeistert, dass er ernsthaft darüber nachdachte, die Uni -zumindest zeitweise – zu wechseln. Schön.

Am letzten Tag waren nochmal -natürlich- interessante Talks und interessante Gespräche mit vielen verschiedenen Leuten dran. Die Posterprämierung haben wir nichtmehr miterlebt, dafür waren wir dann schon zu müde. Immerhin gab es für jeden eine kleine Teilnahmeurkunde. In diesem Sinn: es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut.

Abschiedsfeiern

Tja, nach einiger Zeit (ich persönlich bin ja schon wieder Zuhause angekommen) habe ich wieder freie Kapazitäten um meinen Blog zu aktualisieren: also:

Wir waren am Pazifik stehengeblieben, wo uns eine nette Familie mitgenommen hatte:

Leider stellte sich der Wind als überraschend kalt heraus, weswegen wir schnell wieder ins Auto hüpften und uns – mit einer kleinen Kaffezwischenpause – wieder nach Temuco absetzten.

Dort war es nun für die Austauschstudenten langsam Zeit, sich von der UFRO zu verabschieden und zu ebendiesem Anlass wurde – natürlich – noch eine kleine Grillerei veranstaltet. Es galt „bring your own fork“ also habe ich eine ebensolche noch aus dem Kaffeeschrank des Institutes „geborgt“. In der sengenden Hitze haben dann die Austauschis aus aller Herren Länder tapfer gegrillt, geredet, Tischtennis und Volleyball gespielt und generell noch die Zeit genossen. Der zuständigen Organisatorin kamen bei der Abschiedsrede noch kurz die Tränen und dann gab es nach dem Essen ein allgemein sentimentales Abschiedsnehmen. Ich persönlich war nicht allzu sehr in der Gruppe der „pregrados“, also Bachelorstudierenden involviert, freute mich aber trotzdem sehr, meine Bekannten nochmal zu sehen.

Dies war aber auch nicht die letzte „Abschlussfeier“. Auch meine Kletterkollegen (und ich) waren zur großen Gala der Sportler der UFRO eingeladen worden. Abgesehen von blöden Witzen („Die Kollegen vom Kletterkurs sind natürlich über die Fassade hoch, hö hö hö“) gab es auch gutes Essen (natürlich 3h nach vereinbartem Starttermin) und tolle Stimmung, danach eine Disco und davor Medaillien für jeden der da war. Schön.

Die Disco war übrigens ohrenbetäubend laut und die „Roboter“ sind so eine art Gag der auf fast jeder Technoparty vorhanden ist (gibt es offenbar überraschend viele davon.)

Dies für heute, ich werde versuchen nach und nach den Rest meiner Reisefotos aufzuarbeiten. Bis dann!

Ein Wortspiel mit „Pazifik“

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und so auch die Semester der anderen Unis, auf denen es keine Streiks gegeben hat. Dazu gab es auch mal eine Semesterabschlussparty – von der Universidad Autonoma genau genommen – auf die ich mal schauen wollte.

Die Party war fast wie ein kleines Festival aufgezogen, mit einem kleinen Unterschied: es gab zum Zeitpunkt meiner Ankunft noch kein Essen. Was schade war, denn ich hatte riesigen Hunger. Dazu spielte gerade wahlweise ein viel zu Lautes Technozelt oder die schlechteste Akustik-Regatongruppe die ich in meinem Leben gehört hatte. Mahlzeit.

Während der Suche nach einem Choripán – eine Art chilenischem Hotdog machten sich aber gottseidank die Headliner bereit – Villa Carino, eine Cumbia-Band, die jetzt offenbar unter Studenten der letzte Schrei ist. (hier eine Kostprobe). Die Show war allerdings auch ziemlich super:

Dabei wurde auch auf die letzten Mapuche-bezogenen Proteste eingegangen: ein Mapuche wurde von der Polizei bei einer Untersuchung getötet, worauf im ganzen Land Proteste von Studenten und Mapuche losgingen – so auch in Temuco. Die Flagge, die das Mädchen im Publikum auf dem letzten Bild hält und auf dem zweiten im Hintergrund läuft, ist die offizielle Flagge der Mapuche. Wallmapu – so nennen sie die Gegend in der sie Leben, von Argentinien bis Chile. Eine verzwickte Angelegenheit.

Am Sonntag war es dann soweit: es ging an ein weiteres Reiseziel für mich für die Region, das ich schon ewig aufgeschoben hatte: der Pazifik. Der Weg führte von Temuco über Carahue (wo es eine ganze Straße voller alter Triebfahrzeuge gibt) nach Nehuentue und Puerto Saavedra, was direkt am Pazifik liegt. Begleitet hat mich dabei eine Physikprofessorin vom Institut, der andere Kollege war leider gerade krank.

Ein Bisschen zur Geographie: Nehuentue liegt eigentlich nur am Fluss direkt ins Meer, der wird aber nur durch so wenig Land vom Meer geteilt, dass man das Rauschen und den Wind bis an das Ufer hört. Die Klassische Wochenendversion des Ausfluges ist, mit der Familie ans Meer zu fahren und Meeresfrüchte zu essen (klicken zum vergrößern):

Der Wind war übrigens überraschenderweise trotz sonnigen 26 Grad saukalt, also war ich froh meine Jacke mitgenommen zu haben.

Über den besagten Fluss (Rio Imperial) setzten wir mit der Fähre über, um dann zu Fuß ein Stück nach Puerto Saavedra zu gehen – es wurde uns versichert, es seinen nur so 20 Minuten. Na dann. Der Weg war übrigens superschön, kaum ein Mensch außer uns war zu sehen und allerlei Getier kreuchte und fleuchte durch die sumpfige Wiese neben der Straße:

Nach ca. 20 Minuten waren wir auch schon um die erste Kurve der Straße gekommen, mit noch einigem mehr zu laufen. Also entschlossen wir uns, Autostopp zu machen, bei den beiden Autos, die alle 20 min. von der Fähre ans ander Ufer kutschiert wurden. Wir hatten Glück, das zweite Auto stoppte und einige freundliche Chilenen nahmen uns mit („Sprich du, dann haben sie Mitleid mit dem Touristen!“). Nach einem kurzen Ausflug ins Landesinnere („Sicher, dass der Aussichtspunkt zum Meer in die Richtung liegt?“) kamen wir dann auch an: der Pazifik war gar nicht so still wie es der Name vielleicht vermuten lässt:

Mehr dazu beim nächsten Mal.

Fiesta de los Naciones – parte dos

So, weiter ging es also mit einer Zweimannband aus Haiti – eine stimmungsvolle Konstellation, begleitet von zwei Tänzern, die auch mal lustig waren – „Jetzt was auf französisch, wir sprechen alle Sprachen!“, wenn auch gelegentlich der Playback offensichtlich war. Die Chilenen waren gewohnt still und kühl, bei der Aufforderung mitzutanzen („Wer kennt diesen Tanz? Niemand?“) waren sie also wie erwartet eher schüchtern. Gerettet wurde das Ganze -natürlich – von den Venezuelanern, die daraufhin bei (fast) jeder Tanzeinlage mit Publikumspartizipation mit auf der Bühne standen – siehe Video zwei in der Liste:

Gefolgt wurde das ganze von den Vertretern der „Afrikanischen Gesellschaft Temuco“ (oder so ähnlich), die wieder ganz andere Rhythmen anschlugen – auch hier wurde natürlich wieder mit den Venezuelanern getanzt 🙂 – der Tänzer brachte den Neulingen die Schritte live bei, während der andere Kollege für den Beat sorgte.

Natürlich wollten sich dann aber auch die Chilenen nicht lumpen lassen, und führten eine spektakuläre Show des traditionellen Volkstanzes vor – Cueca: Dabei musste ich feststellen: Den klassischen 3/4 – Takt mit *klatsch* – *klatsch* – *pause* klatschen gefühlt 1/3 der Chilenen selber falsch – es lag also nicht nur an mir, das ich das anfangs nicht rausgehört habe. Die Cueca selber ist übrigens am Balztanz des Hahnes und der Henne angelehnt bzw. entnommen – mit viel Fußstampfen und Herumposieren- sieht man auf den folgenden Videos auch ganz schön. Besonderes Augenmerk liegt auf den klassischen Gewändern – (das der Huasos). (Die Videos sind übrigens sehr kurz, also nur ein kleiner Ausschnitt des gezeigten).

Dann ging es von Übersee weiter – Asien war mit China vertreten und eine Chinesin zeigte einen dynamischen Tanz mit Fächer, und ein Prof des örtlichen Chinesischinstituts zeigte einige sehr coole Tai-Chi moves. (Mein heimlicher Favorit!). Mit genau diesem hatte ich übrigens vor dem großen Rummel gesprochen, unter anderem über die Sprache – auf die Frage, wie lange man denn nun Chinesisch lernen müsste um es wirklich zu können meinte er, so sechs Jahre – ist also wirklich schwierig für Menschen aus unserem Kulturkreis, denen der Background fehlt.

Danach wurde es rhythmisch – eine brasilianische Sambagruppe trat auf. Nur aus Perkussion bestehend waren sie sehr laut. Mit dabei auch ein kleiner Junge, der zwischen den Acts immer wieder auf die Bühne rannte und jetzt offenbar genug Mut gesammelt hatte, auch selbst mitzumachen – auf Video 2 trommelt er sogar mit :D. Auch die Mitarbeiter des Brasilianischen Ständchens ließen es sich nicht nehmen mit Fläggchen bewaffnet auf die Bühne zu stürmen um den Samba mitzutanzen – ein bisschen Rio in Temuco.

Zum Abschluss gab es dann noch einen chilenischen Sänger bzw. Band, die eher traditionell spielte und im Vergleich zu allem Anderen sterbenslangweilig war. Die Omas im Publikum haben trotzdem mitgeklatscht, offenbar war das Lied bekannt („Ich glaube, auch wer das Lied nicht kennt, hat es trotzdem im Herzen“) – so der Sänger. Naja.

Zum Abschluss noch ein bisschen Essen: wusstet ihr, dass Erdbeeren ursprünglich aus Südamerika stammen? Hier verkaufen die alle möglichen Beeren im Sommer auf der Straße und machen leckere Desserts und Kuchen (heißt hier wirklich so!) damit.

Daneben: die klassischen chilenischen Mittagsgerichte, Cazuela und (im Hintergrund) Pastel de Choclo. Bis zum nächsten Mal!

 

 

 

Fiesta de las Naciones?

So, nach einiger Zeit wird wieder was geschrieben, genauer: von der vergangenen „Fiesta de las Naciones“, oder dem „Fest der Nationen“ in Temuco. Jedes Jahr wird nämlich von den örtlichen Vereinen eine Feier veranstaltet, bei der man traditionelles Essen, Getränke, Tänze, Musik und Menschen der einzelnen Länder näher kennenlernen kann – da sag noch einer wir sind nicht International! Zuvor aber noch eine kleine Collage von Fotos, die sonst nirgends hinpassen:

Abgebildet sind: meine Kletterhalle, die Wiese auf der Uni, mit Studenten, die sich zum Protest bereitmachen (wieso? – ein Andermal dazu mehr) und ein leckerer Burger – gestärkt? – dann kanns ja weitergeh’n:

Bei der Fiesta waren überraschen viele unterschiedliche Länder vertreten: Ein Auszug: Peru, Kolumbien, Venezuela, Haiti, Brasilien, Deutschland (hatten lecker Kuchen), Israel, Palästina (am anderen Ende der Halle), Italien, die Schweiz und, und, und.

Der offizielle Beginn der Feier sollte um 12 sein, also kam ich pünktlich um 12:15 an, als sich gerade die meisten Stände gemütlich mit dem Aufbau beschäftigten und die Halle noch komplett leer war – natürlich, chilenische Zeit eben.

Dafür hatte ich aber oft die Gelegenheit als Erster mit den einzelnen Standbesitzern zu schwatzen, was durchaus interessant war. Im Chinesischen Stand wurde mir zB. von einem alten Chinesen, der kein Wort Spanisch sprach Tee angeboten – sehr nett. Man verständigte sich eben wie man konnte („Té?“ – „Si!“ – „Yo no hablo espanol“ – „Yo no hablo chino“ – (er schenkt Tee ein, ich trinke) – Ich: Xie Xie (danke – mein gesamtes Chinesischrepartoire übrigens) – wir lächeln uns an und trinken). Die Nachfahren der deutschen Einwanderer hatten offenbar die alten Uniformen von Opa ausgepackt und waren hocherfreut einen Österreicher zu sehen – sie haben mir sofort einen Sticker geschenkt und mich vergnügt ausgefragt. Die Israelis waren auch sehr nett – offenbar ist in Temuco eine der ältesten Synagogen im ganzen Land, auch wenn man sie von außen offenbar kaum erkennt.

Am Stand von Venezuela traf ich danach auch einen Bekannten, der mir sagte, er würde heute tanzen. Ich war schon gespannt darauf. Derweil hatten sich auch die Organisatoren fertiggemacht und die Eröffnung fand pünktlich eine Stunde nach 12 statt. Sehr schön gemacht, mit einem Band und vielen kleinen Scheren: alle waren sie dabei.

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Ich machte noch eine kleine Runde, dann gingen auch schon die Tanzvorführungen los: die erste Gruppe waren die Venezuelaner, die ich schon vorher bei der besagten venezuelanischen Fiesta gesehen hatte:

(Man beachte die verschiedenfarbigen Taschentücher in den Farben Venezuelas).

Danach war noch etwas Zeit bis zur nächsten Show während sie deutsche Schlager spielten – naja, also ging es zum Probieren der berühmten peruanischen Küche: Ceviche. (Fisch, mariniert in „Tigermilch“ – eigentlich hauptsächlich gewürzter Limettensaft) – sehr, sehr lecker! Auch Argentinien war mit Fleisch vertreten:

Die nächste Vorführung kam von der Universidad Catolica de Temuco und war eine Tanzshow im Stil der Osterinsel (Rapa Nui) – mit viel Energie und Schwimm – und Ruderbewegungen (Videos jeweils ca. 30 Sekunden): (gleiche Gruppe wie bei der Fiesta International im Zuge der Movilidad-Organisation) – sehr sehenswert!

Damit nicht genug, und in komplett anderem Stil kam dann Palästina auf die Bühne: leider war zu dem Zeitpunkt meine Kamera bereits derart voll, dass ich anfangen musste kürzere Videos zu machen und in den Pausen alte gespeicherte Fotos zu löschen. Ich hoffe, man sieht dennoch den Unterschied:

Bei den Tänzen handelt es sich nämlich um Dabke, was übersetzt „Mit-den-Füßen-auf-den-Boden-Stampfen“ bedeutet. In einigen Tanzschritten wird dies auch sehr deutlich. Beendet wurden die Tänze mit einem „Peace for Palestine“. Ganz am Schluss war es „free for all“ und es tummelten sich mehr Leute auf der Bühne – man beachte den Typ mit Schwert:

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Mittlerweile war es auch schon etwas voller, und die Baklava, die sowohl von Israel und Palästina als auch der Türkei beansprucht wurden, waren bereits fast alle. Ich hab trotzdem noch ein paar erwischt – lecker, genau wie beim Türken in Wien.

Als nächstes war Haiti dran – interssant, weil gerade in Chile in letzter Zeit viele Haitianer eingewandert sind, die mit ziemlichen Vorurteilen zu kämpfen haben. Davon aber beim nächsten Mal mehr, der Post ist schon ziemlich lang – bis dann.

Eine Flussfahrt…

..die ist lustig, eine Flussfahrt die ist schön!

Soweit meine Gedanken, als wir den Fluss Valdivia in Richtung Meer fuhren.

Witzigerweise ist das Flussbett selber ziemlich jung, denn der Fluss hat seine heutige Form erst seit dem großen Erdbeben von 1960. Davor sah die Landschaft komplett anders aus – man sieht teilweise noch Baumstümpfe aus dem Wasser ragen, wo vorher noch trockene Erde war:

Außerdem kamen wir an den Häusern der Familie Kunstmann vorbei, die die vorhingenannte Brauerei betreiben und sich damit offenbar See-bzw. Flusshäuser leisten können – schön.

Auf dem letzten Foto sieht man noch die Überreste einer alten Brücke, die hier aus dem Wasser ragt – zwischendurch gab es übrigens Musik, Mittagessen (Lachs) und später Kaffee und Kuchen – eine top Verpflegung also.

Jetzt aber genug der Spannung, wir reden endlich über die Ziele der Schiffsreise: die alten Festungen der Spanier, die sie hier unter anderem gegen die Englischen Piraten bzw. Freibeuter erbaut haben (wenn ich das richtig verstanden habe). Zwei solcher Festungen wollten wir uns heute anschaun.

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Das schöne Wetter ist übrigens kein Zufall: in Valdivia regnet es ca. ständig, also muss man für so einen schönen Tag recht lange warten.

Übrigens: wer sagt, das Chile gefährlich ist? Neben aktiven Vulkanen und Erdbeben gibt es hier auch Tsunamiwarnungen – natürlich. Passend: während der Besichtigung hörten wir einen ziemlichen Krach, der sich von oben schnell näherte – waren aber nur die örtlichen Jugendlichen, die für die jährliche Nachstellung der Erstürmung der Festung probten – mit Trommeln und Platzpatronen.

Danach ging es weiter auf die nahegelegene Insel, von der man endlich mal das Meer richtig sehen konnte – das Wasser war auch schon salzig. Zuerst galt es, den örtlichen Hügel zu besteigen und die Ruine zu besichtigen – allerdings sah man von dort aus einen ziemlich schönen Strand unten:

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Nachdem wir uns durch einiges Gestrüpp geduckt hatten, konnte man diesen sogar besichtigen:

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Somit hatte ich endlich ein weiteres Reiseziel erfüllt: den Pazifik sehen 🙂

Wieder oben gab es übrigens die Überreste einer Kathedrale zu besichtigen, die – natürlich – von einem Erdbeben zerstört wurde:

Die Rückfahrt war relativ ereignislos, allerdings waren wir auch schon ziemlich fertig von all der Wanderei. Die Promenade von der anderen Seite zu sehen war übrigens trotzdem sehr schön. Und: Das Pendel hatte sich am Abend weiterbewegt: Sie dreht sich doch!

Danke, Valdivia, es war sehr schön.

Ein freies Wochenende

Es ist ja nun der Frühling ins Land gezogen, und das heißt man kann endlich hinaus gehen und die Natur genießen. Dazu ein kurzes Resümee:

Der Reihe nach: ein Haus bei schönem Wetter, der Plaza de Armas (Hauptplatz), ein Straßenkünstler und Graffiti: Graffiti gibt es fast überall in irgendeiner Form, und fast immer ist es künstlerisch sogar sehr interessant! Außerdem: bei schönem Wetter kann man an vielen Kreuzungen Straßenkünstler sehen, die sich bei den an den Ampeln wartenden Autofahrern ein Trinkgeld dazuverdienen: bis jetzt waren am eindrucksvollsten: Fackel-jonglage bei Nacht, Schwert-jonglage bei Tag und Jonglage auf dem hohen Einrad (abgebildet). Man überbietet sich offenbar immer mehr.

Außerdem gibt es in der Nähe von meinem Haus eine Uni (die Inacap) mit Boulderwand, die wir endlich mal bei Schlechtwetter ausprobiert haben: Der Mensch am ersten Bild an der Wand ist übrigens genau der Guide, mit dem ich damals nach Siete Tazas gefahren bin und den wir zufällig getroffen haben – klein ist die Welt.

Darüberhinaus war eine Kulinarische Messe in der Stadt (genauer: beim Stadion): wer mich kennt, weiß das man sich sowas als guter armer Student nicht entgehen lassen darf:

Es gab vor allem viel zu bestaunen und kosten: Von Chilipaste (Aji) über Dulce de Leche (Manjar) bis hin zu Araukarien- und Pfeffermarmelade und Eisröllchen war alles dabei: Sogar einen Kebapstand gab es (auch wenn der Besitzer es Shawarma nannte – wir wissen trotzdem alle wie es wirklich heißt)  Dazu: Livemusik und eine Superstimmung. So gestärkt sollte es für den nächsten Tag kein Problem sein, etwas früher aufzustehen und eine Reise in eine ehemalige deutsche Kolonie zu unternehmen… aber dazu später mehr.

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Vorschau: Valdivia